Eine Rucksacktour an Irlands Westküste

Mittwoch, 4.Juni: Cliffs of Moher



© 1998 - 2002 Friedhelm Stille

Inishmore Post Office Gegen halb acht stehen wir auf. Draußen ist der Tag schon lange wach. Heute Mittag wollen wir rüber nach Doolin und zu den Klippen von Moher. Irish Ferries wird uns übersetzen. Die Rucksäcke können wir, bereits wieder gepackt, im B&B hinterlassen und noch ein wenig im Dorf und am Kai verweilen. Ekkehard geht zur Post, erwirbt eine Telefonkarte und geht nach Hause telefonieren.

Da kaufen wir dann noch ein paar Ansichtskarten und lassen so uns mehr oder weniger bekannte Leute an diesen irischen Erlebnissen teilhaben. Um viertel vor Zwölf kommt die Happy Hooker. Mit Zwischenstopps auf Inishman und Inisheer schippern wir in einer guten Stunde der Küste entgegegen. Derweil zieht Stratus auf und macht den Himmel dicht. Von den sechzehn Tagen vom letzten Jahr, die ich hier in Irland verbrachte, waren es ganze zwei mit Nieselregen. Sollten es wieder zwei regnerische Tage sein und begannen sie jetzt?

So mit das erste, was mir der altehrwürdige Mister O'Reilly im zweihundert Kilometer fernen Dublin letztes Jahr nahelegte, war ein Besuch in Doolin. Go to Doolin. It's famous for his music. Nun wir also hier. Betritt man Doolin so wie wir vom Meer her, ist da erst eine Bushaltestelle und dann linker Hand ein Zeltplatz. So vielleicht zwei-, dreihundert Meter weiter finden sich dann die ersten Häuser, aufgereiht an den beiden Seiten der einzigen Straße. Ein Pub, ein Gemischtwarenladen, ein Music-Store. Wohnhäuser gibt es auch, nicht zu knapp, und eigentlich alle bieten B&B. Und dann ist da noch ein Hostel, rechter Hand.

Der Straße nach geht's weiter geradeaus, und am anderen Ende dann Pubs, Restaurants und eine Imbißstube. Und das Doolin Cafe. Da geht man besser zweimal hin: Einmal zur Tischreservierung und dann, am nächsten Abend, zum Dinner. French fries gibt's da allerdings nicht. Die Speisen hier sind obere Klasse. Die Atmosphäre allerdings ist locker, und den Knigge kann man zu Hause lassen. Wer's nicht mag oder es budgetmäßig eine Nummer kleiner braucht: Die erwähnte Imbißstube bietet mit ihren Hamburgern etwas bestimmt zwei Klassen Höherwertiges als das uns geläufige Fastfood.
Und dann hört Doolin einfach auf, die Dorf- wird zur Landstraße und schon hat sich's. Die berühmten Cliffs of Moher sind gleich nebenan, und ein nicht zu übersehendes Hinweisschild weist unbeirrt den Weg zu ihnen. Ebenfalls gleich nebenan, quasi gerade auf der Straßenseite gegenüber, beginnt im Norden der ebenfalls in Reiseführern oft erwähnte Burren. Wir interessieren uns für Beides, sind es leid, jeden Tag umzuziehen und Rucksäcke aus- und wieder einzupacken. Spontan fällt die Entscheidung für drei Tage Aufenthalt. Samstag dann wollen wir weiter Richtung Galway und  Connemara.
Da beziehen wir also Quartier. Olli und Ekkehard in einem B&B; ich in einem Anderen. Eigentlich findet man ohne jede Voranmeldung immer eines, auch jetzt im Juni, das hat sich bereits letztes Jahr sechzehnmal hintereinander bestätigt. Nur manchmal muß man ein wenig flexibel sein.

Cliffs of Moher Wir beziehen unsere Quartiere, halten uns ansonsten nicht länger auf und machen uns dem Hinweisschild folgend auf zu den Klippen von Moher...
Der Weg geht entlang der Klippen. Bald schon findet sich ein Drahtzaun. Nicht dient er der Abgrenzung oder Markierung des zu wandernden Weges sondern steckt verschieden große Parzellen ab. Man muß entscheiden, innerhalb dieser zu bleiben und ab und an auf einen Steinwall zu treffen, den es zu überwinden gilt oder jenseits des Zaunes relativ unbehindert den Klippen umso näher zu sein. Mit etwas Vorsicht geht man außerhalb der Parzellen ganz bequem. Irgendwann ist da eine Spalte, nicht mal einen Meter, die mit einem großen Schritt zu bewältigen ist. Ekkehard und mir wird das aber doch etwas zu gewagt, und für eine Weile wechseln wir auf die andere Seite des Zaunes.
Der Stratus von heute mittag bedeckt jetzt den ganzen Himmel. Nur kurz bricht ab und an die Sonne durch, kurz nur wie zur Erinnerung. Aber es bleibt trocken. Auch die Sicht ist gut. Als sich dann, erst nur winzig, dann immer größer und deutlicher werdend der O'Briens Tower am Horizont abzeichnet, sind wir auf halben Wege zum Besucherzentrum. Das liegt wie zu erwarten touristenfreundlich zwischen Hags Head,dem südlichen Ende der Klippen und Doolin. Hier fallen die Klippen mit runden zweihundert Metern steil in die Tiefe.
Zweimal geht es auf diesem Weg recht steil bergauf. Ich spüre meine Beine nun schon stärker. Den großen Rucksack im B&B zu wissen tut gut. Auch die Pausen zwischendurch.

Trampelpfad
Zweimal bin ich letztes Jahr den Weg entlang der Klippen gegangen, einmal vom Besucherzentrum aus nach Süden bis hin zu Hags Head. Und dann, von dort auf gleichem Pfad zurück, nach Norden etwa bis zu einem Punkt des Weges, wo ich grasende Schafe an einem Platz wiederfinde, an der der Lage nach hoch oben auf einer Anhöhe eher ein Bergkreuz zu vermuten wäre. Einmal hier vor Ort, werde ich diese Stelle immer wieder erinnern. Heute also wieder die Klippen entlang.

Irish Coast Ein paar Meter weiter beginnt der Atlantik. Da ist nur Wasser, bis hin zum Horizont, und mir ist als gäbe es da draußen keine andern Klippen mehr oder eine Küste und keine Wellen, die sich brechen. Wäre da nicht noch Island weiter nordwestlich, wahrhaftig, hier wäre die westliche Grenze Europas. Moher Klippen

Beeindruckend ist es schon zu sehen, wie sich zweihundert Meter tiefer die Brandung bricht ohne dies hier oben zu hören, ohne das Salz des Wassers oder den Tang zu riechen. Viele tausend Vögel, in den Klippen nistend und sicher vor Feinden stimmen hier zum typischen Konzert. Aussicht
O'Briens Tower wird immer mehr zum Turm, je näher wir kommen. Irische Weisen, die der Wind herüber trägt, werden deutlicher und mehr und mehr jene Zeitgenossen, die gehäuft nur in der Nähe von Besucherzentren zu finden sind. Hier gibt Snacks, Kaffee und Kuchen, folkloristisches Allerlei von der CD bis zum T-Shirt. Geldumtausch ist möglich und es findet sich ein Münzfernsprecher. Und ein kleiner weißer Mischling mit Gipspfeife und Halstuch auf der Motorraumhaube eines Wagens sitzend wirbt um Aufmerksamkeit und um eine kleine Spende für seinen Herrn.
Wir zählen die achtzehnte Stunde. Gut drei Stunden Fußweg liegen hinter uns, und das Ende der Klippen liegt jetzt jenseits der Türe des Gift- und Coffeshops. Hier gibt es Kaffee, ein paar Schokoriegel. Und hier hängt auch ein Busfahrplan. Bus Aireann kommt hier um fünf nach Sieben vorbei und bringt uns, irische Landstraßen sind keine Schnellstraßen, in fünfundzwanzig Minuten zurück nach Doolin.

Im Doolin Cafe bleibt uns nur, für morgen einen Tisch zu bestellen. So hänge ich kurz darauf beim Imbiß rum. Olli und Ekkehard sind nebenan und bestellen etwas Richtiges. Wir drei treffen uns an einem der Tische draußen wieder, die zu dem Restaurant gehören. Da mampfe ich den Hamburger von der Konkurrenz, und gewisssermaßen als Platzgeld und auch wegen des Durstes gibt's ein Harp aus dem Restaurant.

Überhaupt, das Harp. Da ist immer die Rede von Guinness und irischem Nektar, wenn da einer von Irland erzählt. Ein Morgen nach solch einen - oder mehreren - Extra Stouts sind immer eine Strafe. Da bekommt mir das leichte Lagerbier weitaus besser. Gebraut wird es übrigens auch von der Guinness Brauerei. Es bleibt also alles in der Familie. Weiter...